Vielseitigkeit ist Trumpf

Von Lars Krone und Volker Paulun
Kaum ein Fahrzeug kann für so unterschiedliche Bedarfe angepasst werden wie ein Lkw. Ob auf extremen Expeditionen, im Rettungseinsatz oder beim Warentransport – oft sind sie unverzichtbar. „tomorrow“ stellt einige außergewöhnliche Fahrzeuge vor.

Der Auflader

Der Auflader
Vielseitigkeit ist Trumpf© Andreas Sutter (Lithium Storage GmbH)

Er ist ein echter Gigant: Mit 58 Tonnen Gewicht und 65 Tonnen Zuladung ist der eDumper das weltweit größte und stärkste batteriebetriebene Elektro-Radfahrzeug der Welt. Der Muldenkipper kommt im Steinbruch einer Schweizer Zementfabrik zum Einsatz und transportiert aus einem höher gelegenen Abbaugebiet Gestein zur tiefer gelegenen Verarbeitungsanlage. Der Clou: Der vollbeladen 123 Tonnen schwere Koloss rekuperiert während dieser Fahrten beim Bremsen nahezu den gesamten für die Rückfahrt benötigten Strom. So sollen in zehn Jahren 1.300 Tonnen CO2 eingespart werden. Gespeichert wird die Energie in einer aus vier Blöcken bestehenden Batterie, die eine Kapazität von über 700 kWh umfasst – mit einem Gewicht von 4,5 Tonnen ist sie übrigens die größte, die für ein Elektrofahrzeug hergestellt wurde.

Formel-E-Star Lucas di Grassi erklärt den eDumper

Der Luftikus

Der Luftikus

Die Einwohnerzahlen von Großstädten wachsen teilweise rasant. Um das ­­­­­Problem des Wohnungsmangels zu lösen, wird daher immer höher gebaut. Doch das stellt die Feuerwehren vor ein Problem: Ihre bisherigen Fahrzeuge reichen nicht mehr aus. Das finnische Unternehmen Bronto Skylift hat eigens für diese Zwecke Hubrettungsfahrzeuge entwickelt. Das Topmodell F-HLA erzielt eine Rettungshöhe von 112 Metern – weltweiter Spitzenwert.

  • In nur 40 Sekunden einsatzbereit, z.B. für Wartungsarbeiten an Windkraftanlagen
    In nur 40 Sekunden einsatzbereit, z.B. für Wartungsarbeiten an Windkraftanlagen © Bronto Skylift
  • Auch zusammengefaltet ist der Bronto Skylift eine imposante Erscheinung
    Auch zusammengefaltet ist der Bronto Skylift eine imposante Erscheinung © Bronto Skylift
  • Die Hebebühne eignet sich auch für Rettungseinsätze bei Hochhäusern
    Die Hebebühne eignet sich auch für Rettungseinsätze bei Hochhäusern © Bronto Skylifter

Das Herzstück des Rettungsfahrzeugs ist der Teleskopmast, der aus einem ultrahochfesten Spezialstahl konstruiert wird – was das Gesamtgewicht auf 77 Tonnen reduziert und den Einsatz auf normalen Straßen ermöglicht. Bemerkenswert: Vor Ort ist der F-HLA dank der automatischen Abstützfunktion innerhalb von nur 40 Sekunden vollständig stabilisiert und einsatzbereit. Mittlerweile sind mehr als 200 Einheiten verkauft worden, unter anderem nach Bangkok, Brasilia, Buenos Aires, Kairo, Moskau und Taipeh.

Der Dauerläufer

Der Dauerläufer

Dass E-Antrieb auch für den Güterverkehr geeignet ist, zeigt ein LKW des Unternehmens Futuricum. Der 16-Tonner, der in der Schweiz bereits von einem Paketdienst regelmäßig eingesetzt wird, ist mit einem über 690 PS starken Elektromotor ausgerüstet und verfügt über eine Batteriekapazität von 680 kWh. Spezielle Reifen sorgen für einen besonders niedrigen Rollwiderstand. Im August 2021 gelingt dem Fahrzeug der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde: Mit 1.099 Kilometern schafft der Futuricum die längste gefahrene Strecke eines E-LKW ohne Zwischenladung.

Der Gipfelstürmer

Der Gipfelstürmer

Bereits seit rund 70 Jahren beeindruckt der Mercedes Unimog mit seinen Offroad-Eigenschaften – und wurde dadurch zu einer Legende. Dank der speziellen und robusten Bauweise mit Portalachsen, einem niedrigen Fahrzeugschwerpunkt und Allradantrieb bewältigt der Allrounder Böschungswinkel von 44 Grad vorn und 51 Grad hinten, Steigungen von bis 45 Grad und seitliche Neigungswinkel von 38 Grad sowie Wasserdurchfahrten von bis zu 1,20 m. Daher setzen auch immer wieder wissenschaftliche Expeditionen auf den geländegängigen LKW. So auch ein zehnköpfiges Team, das sich im Dezember 2019 zum Ojos del Salado in Chile aufmacht, dem mit 6.893 Metern höchsten aktiven Vulkan der Welt. Beim Trip in die berüchtigte Atacama-Wüste dabei: zwei Unimog U 5023. Diese erweisen sich auf den Geröllpisten als zuverlässige Begleiter. Ein Unimog schafft dabei den Aufstieg auf 6.694 Meter. Noch nie zuvor hat ein Radfahrzeug weltweit so große Höhen erreicht.

Der Tempo-Truck

Der Tempo-Truck

2.400 PS, 6.000 Newtonmeter, 4,5 Tonnen schwer und trotzdem ein Leistungsgewicht wie ein Porsche 918 Spyder – die Eckdaten des Volvo Iron Knight sind beeindruckend. Und seine Fahrleistungen auch: Nach nur 13,71 Sekunden erreicht der weiße Riese 500 Meter, die 1.000-Meter-Marke mit Durchschnittgeschwindigkeit von 169 km/h nach 21,29 Sekunden – das schafft kein anderer LKW. Theoretisch könnte der Volvo-Truck, dessen Dieseltriebwerk serienmäßig 540 PS leistet und mit vier Turboladern einer kräftigen Leistungskur unterzogen wurde, eine Höchstgeschwindigkeit von rund 300 km/h erreichen – doch die Gerade der Teststrecke war zu kurz. Der „eiserne Ritter“ kam „nur“ auf 276 km/h.

Der Riesenkran

Der Riesenkran
Vielseitigkeit ist Trumpf© Liebherr

Bis zu 1.200 Tonen beträgt seine Tragkraft: Der Liebherr LTM 11200-9.1 ist der stärkste Mobilkran der Welt und kommt dann zum Einsatz, wenn es mal richtig schwer und hoch wird. Denn das neunachsige Ungetüm (Allradlenkung, Antriebsmotor 686 PS und 3.000 Nm plus Kranmotor 367 PS, 1.720 Nm) kann mit seinem achtteiligen Teleskopausleger eine Hubhöhe von bis zu 188 Metern erreichen. Zum Einsatz kommen diese Krane zum Beispiel bei der Installation von Windkraftanlagen oder dem Bau von Funktürmen. Spektakuläre Auftritte hatten sie aber auch bei der Gerüstmontage am Kölner Dom oder beim Bau der Elbphilharmonie in Hamburg.

Der Containerkönig

Der Containerkönig

Das schnelle Auf- und Abladen von Containern ist für den Gütertransport essenziell. Hierbei spielen Seitenstapler eine wichtige Rolle. Als Größter seiner Art gilt der Baumann GXS 500. Der Packmeister kann dank seines fast 300 PS starken Cummins-Dieseltriebwerks bis zu 40 Fuß große Container mit einer Nutzlast von 50 Tonnen heben und flott von A nach B schleppen. Durch das quer zur Fahrtrichtung angeordnete Hubgerüst (es wiegt alleine 18 Tonnen) und den kleinen Wendekreis kann er auch auf engstem Raum eingesetzt werden. Der niedrige Schwerpunkt ermöglicht es dem GXS 500, Container bis zur dreifachen Fahrzeughöhe zu stapeln. Damit der Fahrer beim Stapeln die Übersicht behält, lässt sich seine Kabine ebenfalls rauf und runter fahren.

Der E-Brandmeister

Der E-Brandmeister

Gelöscht wird immer noch mit Wasser oder Schaum, aber zum Einsatz geht’s mit Strom. Der österreichische Spezialist Rosenbauer, nach eigenen Angaben der größte Feuerwehrausstatter der Welt, hat dafür eine rein elektrische fahrende Palette von Einsatzfahrzeugen entwickelt: Tanklöschfahrzeug, Rüstfahrzeug und Leiterwagen. Bei letzterem kommen drei Elektromotoren zum Einsatz: zwei im Basisfahrzeug von Volvo für den Fahrantrieb und einer für die Drehleiter. Die Energie kommt aus zwei oder drei 66-kWh-Lithium-Ionen-Akkus. Die kleine Variante ist für den Stadtbetrieb prädestiniert. Rosenbauer kalkuliert dort pro Einsatz (je 5 km An- und Abfahrt, ein Abstützvorgang, drei Leiterbewegungen, 30 Min. Lichtmastbetrieb) mit einem Verbrauch von 20 kWh. Ein Einsatz im ländlichen Bereich (30 km An- und Abfahrt, zwei Abstützvorgänge, fünf Leiterbewegungen und 60 Min. Lichtmastbetrieb) schlägt laut Rosenbauer mit rund 52 kWh zu Buche. Mit großem Akkupaket könnte die E-Feuerwehr also dreimal hintereinander ausrücken, bevor sie wieder aufgeladen werden muss. Zur Not besteht auch die Möglichkeit, mit einem Dieselgenerator als Range-Extender Strom zu erzeugen. Bei einem im Herbst 2020 begonnenen Testbetrieb in Berlin wurde dieser aber bei weniger als zehn Prozent der rund 800 Einsätze benötigt.

Der Lademeister

Der Lademeister
Vielseitigkeit ist Trumpf© Goldhofer

Zugegeben: Bei Schwertransportern ist nicht der Lkw der Star, sondern das, was er zieht. So auch beim „schwersten Straßen-Transport aller Zeiten“. Zu transportieren war ein 535 Tonnen schwerer Transformator zum Nürnberger Binnenhafen, wo sein Seeweg via Antwerpen zum Bestimmungsland China begann. Der Transportanhänger vom deutschen Spezialanbieter Goldhofer bestand aus zwei notfalls sogar selbstfahrenden Tragmodulen mit je 10 Achsen. Jede Achse war 16-fach bereift. Insgesamt verteilte sich die Traglast also auf 320 Reifen. Zwischen den Achsmodulen war eine Seitenträgerbrücke Modell G2 K600 montiert, die den Trafo buchstäblich in die Zange genommen hat. Das Packmaß insgesamt: 63 Meter Länge, 7,45 Meter Breite, 6,10 Meter Höhe und ein Gesamtgewicht von 875 Tonnen. Die Planung der knapp 20-stündigen Fahrt im Schritttempo dauerte mehrere Monate.

Videoclip eines ähnlichen Transports