Morgen beginnt heute
1. Smart Engineering
Wie müssen Ingenieure in Zukunft arbeiten?
Um die starke Marktpositionierung von Schaeffler auszubauen, gilt es, das Tempo der sich weiter beschleunigenden Entwicklungszyklen der Automotive-Industrie mitzugehen. Und nicht nur das: Auch die neuen Märkte um Robotik und Automatisierung erfordern einen möglichst effizienten und integrierten Konstruktionsprozess. Die herausragenden Kernkompetenzen von Schaeffler im Ingenieurswesen (Systemverständnis, Material-Know-how, Fertigungsexpertise) werden im Sub-Cluster „Smart Engineering“ im Schulterschluss mit der IT durch digitale Prozessschritte optimiert und durch KI-Implementierungen ergänzt. Gerade das durch die vier Divisionen stark diversifizierte Produktportfolio der Motion Technology Company und die dafür benötigten digitalen Ingenieurs-Arbeitsumgebungen erfordern angepasste Methodiken.
Neue Methoden im Anforderungsmanagement (engl. Requirements Engineering) beschleunigen die Antwortzeiten in der Zusammenarbeit mit Kunden enorm und demonstrieren, dass das Vertrauen der Kunden in Schaeffler verdient ist und Geschwindigkeit und Qualität sich nicht ausschließen. Dies ist besonders im Wettbewerbsumfeld mit chinesischen Mitbewerbern ein wichtiger strategischer Vorteil.
Wie sieht der Ingenieur-Arbeitsplatz der Zukunft aus?
Auf diese Frage sucht Schaeffler auch gemeinsam mit dem gerade heranwachsenden Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) in Heilbronn Antworten. Als neues Mitglied in diesem im Aufbau befindlichen KI-Hub stärkt Schaeffler seine Kompetenzen rund um die Digitalisierung. Schaeffler wird die Plattform nutzen, um konkrete Anwendungsfälle für künstliche Intelligenz im Engineering voranzutreiben. Ziel ist es, Simulationsdaten effizienter zu nutzen, Designprozesse zu automatisieren und KI-gestützte Funktionen direkt in die Produkte zu integrieren. Der Standort Heilbronn dient dabei als Reallabor und Vernetzungsplattform, um gemeinsam mit anderen Tech-Akteuren Standards für die industrielle KI-Anwendung zu setzen.
Weitere Informationen zum „Innovation Park Artificial Intelligence“ unter: www.ip.ai
Technologiefeld: Quantencomputing
Eine Kernaufgabe des Innovationsclusters „Digital Solutions“ ist eine frühzeitige und unabhängige Betrachtung neuer Technologien wie das Quantencomputing. Durch erste Anwendungsfälle in den Bereichen Simulation und Materialwissenschaft etabliert Schaeffler Quantencomputing strategisch unter zwei Prämissen: „quanteninspirierte Methoden“ und „quantenbasierte Methoden“. Beide werden als wichtige Wegbereiter vor allem im Smart Engineering bewertet.
2. Smart Products
Software- und KI-basierte Produktentwicklung und Lebenszyklusanalyse
Die durch einen digitalen Produktentwicklungsprozess entstehenden Datensätze können nicht nur für Simulationen und Konfigurationen genutzt werden, sondern auch für die Auswahl und das virtuelle Testen neuer Materialien oder Produktionsszenarien. Zusätzlich zu den digitalen Simulationen entstehen durch im Feld gesammelte Daten digitale Produkt-Zwillinge, die aufschlussreiche Informationen über den Zustand des Gesamtsystems (z. B. eines Fahrzeugs oder eines Roboters) bieten und damit ein smartes Produkt ergeben.
Im Innovationscluster werden auch strategische Bewertungen für die Virtualisierung von Bauteilen, wie etwa Sensoren, erarbeitet, um langfristig eine möglichst effiziente Architektur für komplexe mechatronische Produkte zu etablieren.
Input von außen
Gerade auch um digitale Innovationen voranzutreiben, sind der Blick nach außen und die gezielte Vernetzung in den richtigen Ökosystemen von großer Bedeutung. Auch hier setzt das „Company on Campus“-Modell SHARE, bei dem Schaeffler mit fünf führenden Hochschulen rund um den Globus zusammenarbeitet, wichtige Impulse. Im Bereich Digitalisierung liegt der Fokus im SHARE at FAU (Erlangen-Nürnberg) auf den Feldern künstliche Intelligenz und Quantum-Computing, während die Kooperation mit der NTU in Singapur auf Robotik-Lösungen spezialisiert ist. Ergänzt wird dieses Digital-Ökosystem durch das SHARE at KIT (Karlsruhe), das zentrale Entwicklungen für die Mobilität der Zukunft vorantreibt.
„Bei Schaeffler Vehicle Lifetime Solutions (VLS) evaluieren wir einen KI-gestützten, teilautomatisierten Prozess zur Bearbeitung von Garantie- und Gewährleistungsfällen. Mithilfe moderner Algorithmen werden eingereichte Daten und Bildmaterialien analysiert, um Fehlerursachen schnell und zuverlässig zu identifizieren sowie Routineanfragen effizient abzuwickeln. So verkürzen wir die Bearbeitungszeiten spürbar, entlasten unsere Teams und steigern die Kundenzufriedenheit. Damit setzt Schaeffler VLS neue Maßstäbe im Qualitäts- und Serviceprozess.“
Dr. Jürgen Bohn, Experte Digital Solutions
3. Digital Services
Mehrwerte für den Kunden schaffen
Die strategische Nutzung hochwertiger, strukturierter Daten geht bei Schaeffler über die einfache Datenerfassung hinaus. Schaeffler behandelt Daten nicht nur als wertvolle Ressource, um Produktion und Produkte zu verbessern, sondern insbesondere auch um digitale Potenziale für seine Kunden zu erschließen. Beispielsweise, um Produktanforderungen noch präziser und schneller auf Kundenbedürfnisse abzustimmen. Oder um weitere smarte Anwendungen zur Maschinenüberwachung und -wartung im bereits etablierten OPTIME-Ecosystem anzubieten. Klar ist: Die Entwicklung neuer produkt- und softwarebasierter Dienstleistungen rückt immer mehr in den Fokus. Sowohl im B2B-Bereich als auch für den Endverbraucher, dort speziell im Automotive-Bereich.
5 Fragen an ...
Theresa Schreyer. Die Digitalisierungs- und Innovations-Strategin kümmert sich als leitende Clustermanagerin um Integrationslösungen im Bereich Forschung und Entwicklung.
Welche Halbwertszeiten haben Digitalisierungsstrategien angesichts der enormen Geschwindigkeit des technischen Fortschritts?
Für Schaeffler sind digitale Strategien und technologische Zielbilder wichtige Nordsterne für die Umsetzung, aber auch für die Kommunikation mit den Mitarbeitenden. Wir beobachten und evaluieren die Entwicklungen im ICT-Sektor (Red.: Informations- und Kommunikations-Technologien) permanent mittels, wie wir es nennen, Technologie-Radaren und internen Experten-Netzwerken. Das ermöglicht es uns, unsere Digitalisierungsvision dynamisch anzupassen. Entscheidend ist hierbei, die Digitalisierung an qualitativen und wertschöpfungsorientierten Optimierungen auszurichten, die auch dann gültig bleiben, wenn technologische Bausteine sich verändern.
Abgesehen von KI, welche Soft- und Hardwaretrends rückt Schaeffler in den Fokus?
Künstliche Intelligenz ist tatsächlich ein wichtiger, aber selbstverständlich nicht der einzige Baustein der Digitalisierungstechnologien, die bei Schaeffler zum Einsatz kommen. Zwei weitere Schlüsseltechnologien sind digitale Zwillinge und gänzlich virtualisierte Versionen von Produktionslinien im Metaverse. Diese ermöglichen eine hohe Aussagekraft über das Verhalten eines Produkts oder der Fertigungsprozesse in Abhängigkeit von sich verändernden Parametern. Wir können also sehen, wie sich Umgebungsfaktoren auf Produktion und Produkt selbst auswirken, ohne diese in der echten Welt eintreten zu lassen. Eine weitere neue Technologie ist die des Quantencomputings, die vor allem derzeit in der Materialwissenschaft und in der Logistik zur Anwendung kommt.
Wie messen Sie Erfolge Ihrer Digitalisierungsstrategie?
Der Qualitätsanspruch unserer Digitalisierungsmaßnahmen ist besonders davon geprägt, wie wir Geschwindigkeiten erhöhen können, beispielsweise in Produktentwicklungsprozessen, die darauf abzielen, unseren Kunden möglichst schnell individuelle Konfigurationen der gewünschten Bauteile liefern zu können. Die Reduktion von Bearbeitungszeiten oder auch gesteigerte Effizienz bei Kundenprojekten sind zwei besonders gute Erfolgsgradmesser unserer Digitalisierungsstrategie – natürlich alles vor dem Hintergrund einer gleichbleibend hohen Schaeffler-Qualität.
Wie wird die digitale Transformation in bestehende Geschäftsprozesse integriert, ohne den Betrieb zu stören?
Erste neue digitale Lösungen werden meist von kleinen Teams, bestehend aus Kollegen unserer Innovationscluster und Vertretern aus den Business-Units oder Divisionen, erprobt. Darüber hinaus stellt unsere gute Zusammenarbeit mit Start-ups einen enormen Vorteil dar, um Optimierungen auch von außen zu betrachten und mit der notwendigen Geschwindigkeit voranzutreiben. Der nächste Schritt im Aufbau neuer digitaler Prozesse erfolgt meist simultan zu den Entwicklungen bewährter Prozesse – sozusagen als zweiter Pfad. Erweist sich dieser Weg als schneller, durchgängiger und effizienter, wird die Lösung in die Betriebseinheiten übergeben und global verfügbar gemacht, sodass alle relevanten Einheiten davon profitieren können.
Wie können Mitarbeiter für die digitale Transformation geschult und motiviert werden?
Fortschritte bei digitalen Technologien bieten häufig die Chance, IT-Komplexität zu reduzieren. Gerade die künstliche Intelligenz beweist das täglich. Mitarbeitenden die Chance zu bieten, mit diesen Technologien im Arbeitsalltag sicher zusammenzuarbeiten, zeigt nach ersten kleinen Versuchen bereits eine hohe erfinderische Neugierde. „Wie kann ich meinen Arbeitsalltag einfacher gestalten?“ ist dabei die Ausgangsfrage. Die Mitarbeitenden fangen an, Verantwortung für die Optimierung ihrer eigenen Arbeitsweisen zu übernehmen, und werden zunehmend erfinderischer. Mit ihrer hohen fachlichen Kompetenz können damit schnell praxisnahe digitale Lösungen entstehen. Wer darüber hinaus das eigene Fähigkeiten- und Kompetenz-Portfolio erweitern möchte, kann in der Schaeffler Academy oder dem Fit4Digital-Programm passende Schulungsangebote aussuchen.