Maschinen für die Mobilität

Von Carsten Paulun
Unser Bedürfnis nach Mobilität wächst immer mehr. Um dem gerecht zu werden, setzen wir immer intelligentere und manches Mal auch gewaltigere Maschinen ein. Damit diese effizient und störungsfrei ihrer oft knochenharten Arbeit nachgehen können, müssen alle Bauteile – so auch die weltweit eingesetzten Wälz- und Gleitlager von Schaeffler – Höchstleistungen abliefern.

Der Schienenleger

650 Tonnen schwer, 177 Meter lang – mehr über das Eisenbahnmonster gibt's hier!

Gigantische 650 Tonnen schwer und unglaubliche 177 Meter lang – hinter dem unscheinbaren Kürzel RU 800 S steckt ein echtes Multitalent. Der Gleisbau-Gigant erneuert in einem Arbeitsgang komplette Gleisanlagen mitsamt Schotterbett, Schwellen und Schienen. Vorn spreizt der Koloss die alten Schienen auseinander, nimmt Schwellen und Schotterbett auf. Der Schotter gelangt über Förderbänder zu einer Siebanlage, die ihn reinigt. Während der RU 800 S weiterfährt, glättet er den Untergrund, trägt den gereinigten Schotter als Unterschotter auf und verdichtet ihn. Zeitgleich werden die neuen Schwellen verlegt, mit neuem Schotter verfüllt und im Anschluss die neuen Schienen verlegt, auf denen der Arbeitszug bereits wieder fahren kann. In einer 10-Stunden-Schicht schafft der RU 800 S so knapp 2.000 Meter Gleis.

Der Gleisbau-Gigant RU 800 S erneuert in einer 10-Stunden-Schicht knapp 2 Kilometer Strecke in einem Arbeitsgang

Der Tunnelgraber

Was geschieht mit dem 100-Millionen-Euro-Bohrer, wenn er seine Arbeit erledigt hat? Hier mehr.

Sie wühlen sich durch Erde, fräsen sich durch Felsen und knacken mühelos Beton: Tunnelbohrer – von Menschen geschaffene Hightech-Maulwürfe. Ganze 17 Jahre knabberten sich diese unterirdischen Giganten beispielweise durch die Schweizer Alpen und schufen unterm Gotthardmassiv die beiden Röhren des mit 57 Kilometer längsten Eisenbahntunnels der Welt. Tunnelbohrer messen bis zu 20 Meter im Durchmesser, sind bis zu 400 Meter lang und kosten zwischen 30 und 100 Millionen Euro pro Stück. In den meisten Fällen sind sie Universalmaschinen, die bohren, das abgebaute Material über Förderbänder nach hinten transportieren und auch gleich das Tunnelgewölbe mit Stahlplatten und Spritzbeton verkleiden. Viele Tunnelbohrer werden speziell nur für den einen Tunnel gebaut und nach oft jahrelanger Arbeit in der Regel noch vor Ort verschrottet. Sind die Maschinen nur kurz im Einsatz, werden sie zerlegt und aufwendig generalüberholt.

Tunnelbohrer: die Millionen Euro teuren Giganten im Einsatz

Der Asphaltierer

Guten Appetit: Wie diese Straßenbaumaschine bis zu 1.600 Tonnen Asphalt verdaut – hier klicken!

Der Asphaltfertiger Super 3000-2 des deutschen Spezialisten Vögele ist Weltspitze. Die einzigartige Maschine hinterlässt in einem Arbeitsgang eine bis zu 16 Meter breite Asphaltdecke – und das völlig nahtfrei. Das reicht für eine dreistreifige Autobahn inklusive Abbiegespur und Randstreifen. Auch die mögliche Tragschichtdicke von einem halben Meter ist beeindruckend. Gleiches gilt für die Arbeitsgeschwindigkeit des Super 3000-2: Er asphaltiert bis zu 24 laufende Meter pro Minute. Und wie es sich für einen richtigen Giganten gehört, will der Super 3000-2 kräftig gefüttert werden. Bis zu 1.600 Tonnen Asphalt-Mischgut verschlingt er – pro Stunde. Das entspricht der Ladung von mehr als 20 Lkw. Vor dem Asphaltierer fährt ein sogenannter Beschicker, der das Mischgut von den Lkw aufnimmt und den Super 3000-2 mit einer immer gleichmäßig temperierten homogenen Masse versorgt. Die Lkw fahren rückwärts im Drei-Minuten-Takt an den Beschicker heran und kippen in dessen Auffangbehälter das aufgeladene Mischgut. Das alles geschieht, während sich das Gespann aus Asphaltierer und Beschicker vorwärts bewegt.

Eine dreistreifige Autobahn inklusive Abbiegespur und Randstreifen asphaltiert die Super 3000-2 nahtfrei in einem Arbeitsgang

Der Brückenbauer

Raten Sie mal, aus welchem Land diese Monstermaschine kommt!

In China ist alles ein bisschen größer. Und manches Mal auch kurioser: Um den Bauboom an neuen Fernstraßen und Eisenbahnverbindungen zu bewältigen, haben die Ingenieure im Reich der Mitte den Brückenbau standardisiert. Und gleich passende Brückenbaumaschinen entwickelt. Allein die Beijing Wowjoint Machinery Company hat über 100 verschiedene dieser Spezialkonstruktionen im Programm. Die größten Exemplare sind knapp 100 Meter lang und wiegen 580 Tonnen. Beim Bau schieben sie sich bis zum Ende der fertigen Brücke vor und schieben Stahlträger auf die nächsten freien Brückenpfeiler. Nun wird das fertige Brückenelement über ein Kranschlittensystem auf den vorgesehenen Einbauplatz gezogen, heruntergelassen und in die entsprechenden Lager montiert. Im Anschluss fährt die gigantische Maschine zurück und holt den nächsten Brückenabschnitt.

Der Baumumpflanzer

Erwin, pack den Spaten weg! Mit dem Ballenstecher pflanzt du einen Baum in 15 Minuten um. Mehr hier!

Von wegen, einen alten Baum verpflanzt man nicht: Wenn bei Straßen- oder Gleisbauprojekten ein erhaltenswerter Baum im Weg ist, rückt der Optimal 2500 an. Offiziell ist er ein „hy­drau­lischer Ballenstecher“, wir können ihn aber auch einfach Baumumpflanzer nennen. Denn nichts anderes tut der Optimal 2500. Er sticht wie jeder Gärtner beim Umpflanzen einen Ballen um das Wurzelwerk der Pflanze aus. Nur dass es sich hier um etwas größere Pflanzen handelt. Statt eines Spatens besitzt der Optimal 2500 gleich fünf davon, die jeweils spitz zulaufen und auf einem mächtigen Ring sitzen. Dieser Ring hat eine Öffnung, die sich schließt, sobald er den Baum in seine Mitte genommen hat. Im Anschluss presst sich der Spatenring mit 260 Bar Druck in die Erde und sticht so den Ballen aus. Mit einem vernehmbaren Schmatzen wird der Ballen herausgehoben und je nach Bauprojekt entweder auf einen Lkw verladen oder ein paar Meter weiter in eine zuvor ebenfalls mit dem Optimal 2500 ausgehobene Mulde eingepflanzt.

Der Ballenstechmaschine beim Umpflanzen zugeschaut

Der Schiffsbetter

Das größte Trockendock Europas finden Sie in welcher Stadt? Antwort hier!

Auch die größten Schiffe müssen mal in die Werkstatt. Um am Unterwasserschiff arbeiten zu können, kann man so einen schwimmenden Koloss aber nicht einfach aus dem Wasser heben. Also fährt das Schiff in ein Trockendock. Das ist wie eine Schleuse als Sackgasse. Hinter dem eingefahrenen Schiff wird das Sperrtor geschlossen und das Wasser abgepumpt. Das Schiff liegt dann auf dem Trockenen, sämtliche Arbeiten am Unterwasserschiff können nun ohne Tauchgänge ausgeführt werden. Eines der größten Trockendocks Europas ist Elbe 17 von Blohm+Voss im Hamburger Hafen. In dem 351,2 Meter langen und 59,2 Meter breiten Betonmonster wurden schon Meeresgiganten wie der Kreuzfahrtriese Quantum of the Seas (347 m lang, 41,4 m breit) und das Containerschiff Souvereign Maersk (347 m lang, 42,8 m breit) eingedockt. Um die gewaltigen Gewichte solcher Schiffe tragen zu können, wurde die Bodenplatte aus neun Meter dickem Stahlbeton hergestellt.

Die Queen Mary 2 entert Elbe 17, eines der größten Trockendocks der Welt

Der Pflasterer

Oben Steine rein, unten fertiges Pflaster raus – so geht's!

Auf diese Maschine haben Tausende Bauarbeiter weltweit gewartet: Statt mühsam auf Knien hin und her zu rutschen und Pflastersteine zu verlegen, sortiert der Bauarbeiter im Stehen die Steine nur im gewünschten Muster in den Tiger-Stone. Die 1,60 Meter hohe und ebenso lange Maschine legt dann ein fertiges Pflaster wie einen Teppich auf den vorbereiteten Untergrund. Bis zu 6 Meter breite Pflasterwege sind möglich. Damit alles schön gerade wird, orientiert sich ein Sensor an dem vorab verlegten Bordstein. Zum Spurhalten dienen zwei elektrisch betriebene Raupen. Bis zu 300 Quadratmeter schafft der Tiger-Stone an einem Tag – dreimal mehr als ein erfahrener Pflastersteinverleger. Die von einem Holländer konstruierte und mit einem Innovationspreis ausgezeichnete Maschine ist in den USA ein Riesen­erfolg. In Deutschland wird sie nicht eingesetzt.

Bis zu sechs Meter breite Pflasterwege legt die Tigerstone-Maschine vollautomatisch aus

Der Wegweiser

Wissen Sie, wofür diese Maschine nur 30 Minuten benötigt, ein Kran aber mehrere Tage?

Betonleitwände sichern Baustellen und temporäre Fahrbahnschwenkungen besser als einfache Verkehrshütchen. Aber die rund 700 Kilogramm schweren Blöcke sind nur schwer zu handhaben. Jetzt kommt der Road Zipper ins Spiel. In den USA ist die 30 Tonnen schwere Spezialmaschine bereits seit Mitte der 1980er-Jahre im Einsatz. Auf der Golden Gate Bridge in San Francisco versetzt der Road Zipper morgens eine Betonreihe und schafft so eine zusätzliche Spur stadteinwärts, abends eine stadtauswärts. Dabei hebt der Zipper die Betonelemente leicht an und bewegt sie mit einer Art Förderband bis zum Absetzpunkt. Die Versetzbreite beträgt zwischen 1,2 und 5,5 Meter. Für das Versetzen von 2.800 dieser Betonwände benötigt der Zipper rund 30 Minuten. Ein Kranwagen würde mehrere Tage dafür brauchen. Inzwischen wird der 15 Meter lange Road Zipper auch auf europäischen Straßen eingesetzt.

Der Road Zipper im Einsatz auf der Golden Gate Bridge

Der Kennzeichendrucker

Wofür braucht man eine Maschine, die 650 Kennzeichen pro Stunde prägt? Hier klicken!

Autokennzeichen sind der Personalausweis eines Pkw. Sie sind in (fast) allen Ländern der Welt vorgeschrieben und dienen, wie die Fahrzeugpapiere, als Identitätsnachweis. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 22 Millionen Kennzeichen geprägt. Wer sein Auto neu an- oder ummeldet, lässt sich seine Kennzeichen meist direkt vor Ort an der Zulassungsstelle durch eine manuelle Prägemaschine anfertigen. Kfz-Kennzeichen können mit der automatischen Prägepresse des Spezialisten Utsch aus Siegen aber auch im großen Stil geprägt werden. Diese Maschine erledigt alle Arbeitsgänge komplett selbstständig und prägt bis zu 650 Kennzeichen pro Stunde. Auf Wunsch kann die geprägte Kennzeichenlegende per Heißprägefolie automatisch eingefärbt werden. Solche computergesteuerten Anlagen nutzen beispielsweise große Flottenbetreiber wie Autovermieter, aber auch Staaten, die Kfz-Kennzeichen zentral vergeben.

650 Kennzeichen pro Stunde prägt diese Maschine – der Videobeweis

Der Flusssauger

Dieses Schiff kämpft gegen Schwarzfahrer. Um was es dabei geht – hier mehr!

Wasser ist einer unserer wichtigsten Verkehrswege. Es transportiert aber nicht nur Schiffe auf seiner Oberfläche, sondern befördert auch jede Menge Schwarzfahrer: Sand und Schlick. Für schiffbare Flüsse, Häfen und Kanäle können diese Schwarzfahrer zum Problem werden, und zwar an den Stellen, an denen sie sich ablagern. Deshalb setzen die Wasser- und Schifffahrtsämter hier regelmäßig sogenannte Laderaumsaugbagger oder auch Hopperbagger ein, um Sand und Schlick zu entfernen. Dabei löst ein Saugkopf das Sediment am Grund, das über ein großes Rohr wie mit einem Staubsauger an Bord des Baggerschiffs gesogen wird. Die festen Bestandteile wie Sand und Schlick setzen sich im Laderaum des Baggers ab und werden an anderer Stelle wieder ins Wasser gegeben oder an Land gespült. Allein im Hamburger Hafen, dem drittgrößten Europas, fallen bis zu einer Million Kubikmeter Schlick und Sand an – pro Monat! Auch in anderen Welthäfen wie Rotterdam oder Antwerpen ist das nicht anders. Die Hamburger Hafenbehörde setzt daher manchmal bis zu drei Hopperbagger gleichzeitig ein, um für die großen Containerriesen oder auch Kreuzfahrtschiffe wie die Queen Mary 2 die erforderliche Tiefe zu ermöglichen.

Häfen wie Rotterdam und Hamburg drohen zu versanden –  riesige Baggerschiffe machen den Weg frei

Carsten Paulun
Autor Carsten Paulun
Warum etwas selber machen, wenn es dafür die passende Maschine gibt? Ob als Kind vom per Dampfmaschine angetriebenen Bohrer, als Jugendlicher von einem mit Mofa-Motor getunten Kettcar oder in reiferen Jahren von einem vollautomatischen Rasenmähroboter – Carsten Paulun (50) hat sich schon immer gern Arbeit abnehmen lassen.